Herders Gedichte.
Zur F e y e r
der Beziehung des neuen Gerichtshauses zuRiga.
1766.
O Vaterland! dem Ohr des Patrioten
Ein Silbcrton — ein Ton des Ruhms dem Geist,
Der hundert andrer werth, sich von lebend'gen TobtenHinauf ins Hcil'ge der Verdienste reißt:
Wo die wie Ecdengotter glanzen,
Die dir, 0 Vaterland! sich weihn,
Und sich mit LorbcerkranzcnAus deinen Händen sreun:
Für dich, 0 theure, geht der Held zum Streite,Wie zum Triumph, und lockt sein goldnes Haar;
Der Jüngling glüht ins Feld, und giebl aus seiner
Seite
Sein bestes Hcrzenßblut dir jauchzend dar:
Und sterbend labst du seine Obren,
Schon brechend lallt der Zunge Band:„Dir, das du mich geboren,
Dir sterb' ich, Vaterland!"
Ja, Vaterland! du Mutter, der der WeiseDie Erstgeburt des Geists zum Opfer bringt:
O du, sei» Sonncnfluq, wenn er zum hohen PreiseDer Tugend, dich mit edlen Thaten singt:
Dich, die mit goldnen LiebesseilenDer Söhne Herzen an sich zieht,