4
dachten, aber angeregt durch die mannigfachen Erfahrungen deralten Bewohner jenes Landes. Noch ist aus den vorliegendenSchriften — sind doch der Natur der Sache nach aus demalten Aegypten meist religiöse, auf das Leben im Jenseits be-zügliche Texte uns überkommen —, noch ist nicht festgestellt,wie weit die alten Bewohner des Nilthales systematische For-schungen ausgeführt hatten, aber soviel können wir aus den unsüberlieferten Monumenten, aus den genauen Landvermessungenerkennen, daß ihre praktischen Kenntnisse groß waren. Daßihnen die Eigenschaften des Hebels, erhitzter Wasserdämpfe, diespäter zur Errichtung von Dampfmaschinen führten, nicht fremdwaren, lehren uns Ueberlieferungen über die Mittel, welche diePriester anwandten, um die staunende Menge das Nahen desGottes ahnen zu lassen. Unter römischer Herrschaft finden wirim allgemeinen wohl eine zunehmende Sammlung von einzelnenBeobachtungen, ein kompilatorisches Zusammenfassen der älterenUntersuchungen, aber keinen wesentlichen Fortschritt. In Alexandria,wo ein Ptolemäus sein Weltsystem ersann, können wir noch amlängsten Spuren einer Thätigkeit auf unserem Gebiete verfolgen,aber auch hier konnten die Naturwissenschaften nur ans kurzeZeit ihr Leben fristen. Erst trat ihnen der Neuplatonismnsentgegen, der mit seiner Dämonenlehre jeder naturwissenschaftlichen,auf die Gründe der Naturerscheinungen znrückgehenden Forschungfeindlich war, und dann litten sie unter den Kämpfen, die sichan das Auftreten des Christenthums anschlossen. Die neue Lehremußte das Interesse aller ihrer Bekenner im vollsten Umfangein Anspruch nehmen, galt es doch die ewige Seligkeit im Gegensatzzu irdischem Wohl zu erlangen. Die Behandlung der Fragen,welche sich an die christliche Lehre anknüpften, die Polemiksowohl gegen die Anschauungen des absterbenden Heidenthums,wie diejenige der einzelnen Richtungen innerhalb des Christen-thums selbst, absorbirten alle Kräfte.