Druckschrift 
Die Trauer um die Todten bei den verschiedenen Völkern
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

erwähnten, „mannigfaltigen nnd verabscheuenswerthen Arten zutrauern": psäorss, mnlisbros laosraüonss Zsunrum, psotoris,keminnm, oaxitis xsrenssionss") für das 2. Jahrhundert un-serer Zeitrechnung durch die schon erwähnte Schrift Lucians„über die Trauer" bezeugt, in welcher die Maßlosigkeit derSchmerzausbrüche scharf gegeißelt wird"), und auch Plutarchlobt ausdrücklich seine Frau, daß sie beim Tode ihrer Tochterderartiges unterlassen habe").

Indem wir uns nun zu den Muhammedanern und Christenwenden, wollen wir, ohne in die Details einzntreten, nur dieprincipielle Stellung beider Religionen zur Todtenklage kenn-zeichnen; die hier wie dort hervortretende, jede Trauer aus-schließende Denkart kann erst am Schluß dieser Betrachtungbeleuchtet werden.

Im Islam wie im Christenthum hat der Tod seine Schreckenverloren durch die Glaubensgewißheit, daß aus ihm ein neues, sschöneres Leben erblüht. Dort haben wir die Hoffnung auf dieFreuden des Paradieses, hier die feste Ueberzeugung, daß dieGemeinschaft mit dem Herrn über das Grab hinaus besteht.

Darum haben die lauten und wilden Traueräußerungen keineBerechtigung mehr. Mnhammed verbot zu schreien und zuheulen, das Gesicht zu zerschlagen und die Gewänder zu zer-reißen; denn das seien Eingebungen des Bösen"). Die Kirchen-väter aber haben die leidenschaftlichen Ausbrüche des Schmerzesals hoffnungslose, heidnische Sitten auf's Nachdrücklichste be-kämpft").

Aber eine mäßige Trauer galt als ein der Natur zu zahlen-der Tribut und als vereinbar mit dem Glauben. „Wegeneines Unglücksfalles vergossene Thränen", sagte Mnhammed,

„sind Balsam für das Herz und aus Gnade herabgesandt", undals Verwunderung sich darüber erhob, daß er um den Tod

(SV)