Kleine griechische Gedichte. 261
Mir guten Ruth. Ein zwiefach EhebettWinkt mir zu einer Wahl: die Eine BrautIst weit an Stand' und Reichthum über mir;
Die Andre ist mir gleich; wen soll ich wählen?"
Der Alte hob den Stab und zeigte: „DortSind muntre Knaben bei dem Krauselspiel:
Tritt hin zu ihnen und sie werden dirEs sagen." — *) Als der Fremdling naher trat,Erscholl nur Eine Stimme: „Den Gleichen nimm!Den Gleichen nimm!" Der gute Fremdling zogBelehrt zurück und folgt' des Knaben Wort:
Er führte, die ihm gleich war, in sein HausUnd lebte glücklich.
Folg' auch, Dion, duDes Knaben Wort: so wirst du glücklich leben.
Das Rohr und die Eiche.
Niedergeworfen im Sturm, schwamm auf dem Stro-me der Eichbaum
Rohrgebüsche vorbej. „Was thut ihr? sprach der
Erlegte,
Daß ihr so aufrecht steht und trotzt dem Sturme?"
„Wir trotzen
Keinem Sturme; wir beugen uns ibm: d'rum ste-hen wir aufrecht. "
*) Die Griechen hatten im Spiel und in der Nothden Glauben, daß Worte der Kinder, insonder-heit wenn man sie unrermuthet hörte, nicht ohneBedeutung wären.