4
Vorrede.
Theano. Desto besser, da sind uns die Blumennoch Knospen. Ich habe mich an der griechischenEinsalt sehr ergötzt und mir that es wohl, ohne alleKritik, ob dies kleine Geschöpf ein Epigramm odereine Elegie, oder gar nur ein Sittcnspruch sey, denAusdruck des Witzes, der Wahrheit und der Em-pfindung in ihnen zu genießen. In Ucbersetzungenkannte ich nur sehr wenige davon; und mich dünkt,vor manchem andern, was übersetzt ist, waren dieseKinder der Flora einer Verpflanzung werth. Wiesind Sie zu ihnen gerathen?
Demodor. Wie ich sage, unter so manchemAndern siel mir auch die griechische Anthologie frühein die Hände und da kam ich gerade auf Stücke,die mich, den Jüngling , sehr vergnügten. Ich klei-dete verschiedene davon zuerst in gereimte Verse —
Theano. Die ich doch nicht gefunden habe.
Demodor. Sie sind langst vertilgt, weil ichfand, daß das griechische Epigramm sich in den ge-reimten Vers selten so glücklich kleiden lasse, daßcs nicht das Meiste von seiner Einfalt, von seinerRunde oder von seinem naiven Witz verliere. 'In-dessen verfolgte mich die Anthologie, und siel mirin andern Zeiträumen wieder in die Hände.
Theano. Ich begreife das wohl. Eine Blumezu pflücken ist man gerade in den Stunden der Er-holung aufgelegt, wenn man andrer ermüdendenArbeiten satt ist —
Demodor. Und sich aufs neue zu ihnen stärket.Eben dies war mein Fall. Zwischen Arbeiten, aufSpaziergängen gefiel mir diese griechische Aue so wohl,