zu den Volksliedern. 71
Göttin ist, daß sie dem Geringsten und gleichsam je-dem Kinde dienet. Uebcr eine Sache geheimer undliebster Freuden streitet man nicht gern auf demMarkt; aber dem, dünkt mich, ist Homer nicht er-schienen , der den lieben Fußgänger nur auf raschrol-lendcn Wagen und den sanften Strom seiner Redeals Mühlengeklappcr einer sogenannten Heldenpoestesich vorbildet. Sein Tritt ist sanft, und die Ankunftseines Geistes, wie Ulysses Ankunft in der Heimath:nur der kann sein Vertrauter werden, der sichdiese demüthige Gestalt weder »erlügt noch hinweg-schämet. *)
Darf ich hier, wenn auch am Unrechten Orte, einziemlich verkanntes Geschenk unsrer Sprache, ei-nen Nachgesang Homers, wenn nicht von seinemFreunde und Mitsänger, so doch gewiß von sei-nem ehrlichen Diener, der ihm lange die Harfegetragen, rühmen: es ist die UebersctzungHomers von B 0 dmer. Freilich leidet sie,wie keine Uebcrsetzung auf der WÄt, Verglei-chung mit dem Urgesange; wenn man indessendiesen vergißt, und sie nicht mit dem Auge liest,sondern mit dem Ohr höret, hie Md da dieFehler menschlich verzeihet, die sich bisweilenauch dem Ohr nicht verbergen und ihm sagen:„so sang wohl Homer nicht!" — dies abgerech-net, wie man bei jedem menschlichen Werk, undbei Homers Uebersetzung gewiß, etwas abrechnenmuß, wird man, dünkt mich, auf jeder Seiteden Mann gewahr, der mit seinem Allvater vieleJahre unter Einem Dache gewohnt und ihm red-