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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 8 (1821) Stimmen der Völker in Liedern
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englischen und deutschen Dichtkunst. 6r

Die Kurte der Menschheit ist ein Völkerkundeungeniein erweitert: wie viel mehr Völker kennen

wir, als Griechen und Römer! wie kennen wir sieaber? Von aussen, durch Fratzcnkupfcrstiche, undfremde Nachrichten, die den Kupferstichen gleichen?oder von innen? durch ihre eigne Seele? aus Em-pfindung, Rede und Tbat? So sollte es scynund ists wenig. Der pragmatische Geschieht- undReisebeschreibcr beschreibt, mahlt, schildert; er schil-dert immer, wie er sieht, aus eignem Kopfe, ein-seitig gebildet, er lügt also, wenn er auch am we-nigsten lügen will.

Das einzige Mittel dagegen ist leicht und offen-bar. Alle unpolizirte Völker singen und handeln;was sic handeln, singen sie und singen Abhandlung.Ihre Gesänge sind das Archiv des Volks, der Schatzihrer Wissenschaft und Religion, ihrer Theogonieund Kosmogonien, der Tbaten ihrer Väter und derBegebenheiten ihrer Geschichte, Abdruck ihres Her-zens, Bild ihres häuslichen Lebens in Freude undLeid, beim Brautbett und Grabe. Tie Natur hatihnen einen Trost gegen viele Uebel gegeben, die siedrücken, und einen Ersatz vieler sogenannten Glückse-ligkeiten, die wir gemessen: d. i. Frciheitsliebe, Müs-siggang , Taumel und Gesang. Da mahlen sich alle,da erscheinen alle, wie sie sind. Die kriegerischeNation singt Thaten, die zärtliche Liebe. Dasscharfsinnige Vosk macht Räthsel, das Volk von Ein-bildung Allegorien, Gleichnisse, lebendige Gemählde.Das Volk von warmer Leidenschaft kann nur Lei-denschaft, wie das Volk unter schrecklichen Gegen-ständen sich auch schreckliche Götter dichtet. Eine