58 II. Aehnlichkcit der mittler»
tionalstücke, die das Volk singt, und sang, worausman also die Denkart des Volks, ihre Sprache derEmpfindung kennen lernet, dies Liedchen hat etwagar Shakespear gekannt, daraus einige Reihengeborgct u. f. Veit milder Schonung setzt man sichalso in die alten Zeiten zurück, in die Denkart desVolks hinab, liegt, hört, lächelt etwa, erfreuet sichmit oder übcrschlägt und lernet. Ucberall indes siehtman, aus welchen rohen, kleinen, verachteten Saa-menkörncrn der herrliche Wald ihrer Nationaldicht-kunst worden? aus welchem Marke der NationSpenser und S hake spcar wuchsen.
Großes gleich, Reich von zehn Völkern, Deutsch-land ! Du hast k.inen Shakespear, hast du auchkeine Gesänge deiner Vorfahren, deren du dich rüh-men könntest? Schweizer, S c h w a b en, F r an-k cn, Bayern, W e s t p ha l er , Sachsen,Wenden, Preußen, ihr habt allesamt nichts?Die Stimme eurer Vater ist verklungen und schweigtsin Staube? Volk von tapfrer Sitte, von edler Tu-gend und Sprache, du hast keine Abdrücke deinerSeele die Zeiten hinunter?
Kein Zweifel! Sie sind gewesen, sic sind viel-leicht noch da; nur sie liegen unter Schlamm, sindverkannt und verachtet. Noch neulich ist eine Schüs-sel voll Schlamm öffentlich auigctragen, damit dieNation ja nicht zu etwas bessern; Lust bekomme,als ob solcher Schlamm das Gold wäre, das manführt, und das ja auch selbst der klassische Virgilin den Eingrwciden Ennius nicht verschmähte.Nur wir müssen Hand anlegen, aufnehmen, suchen,ehe wir Alle klassisch gebildet dasiehn, französische