54 II. Ähnlichkeit der Mittlern
diese völlig unbekannter Weise gelobt, nachgeahmt,gesungen — ihr Fund so lucht gemacht, als ob sienur aus der Hand gelegt waren, an ihnen nichtsweniger als ein deutscher Ossi an gehoffct u. f.Trefflich Alles in der Ferne! Wenn da auf einmalein Macpherson in Tyrol oder in Bayern auf-stünde, und uns da so einen deutschen Ossi ansänge, ein r es hin, so weit ließen wir uns etwanoch mit ziehen. Nun aber waren diese Gesänge ineiner Sprache, wie sie nach Analogie der schjltcrschenSammlung notbwendig seyn mußten; müßten sie,weil vor Ottfried alles undisciplinirte Sprachewar, als lebendiger Gesang im Munde der Bardenerst buchstabirt, als eine Zaubergestalt voriger Zeitenim Spiegel der Gloffatore" studirt werden , ohnedas sie so wenig als Ulpbila's Evangelien inunsern Kirchen Wunder thun konnten; wie viel Lob-redner und Jünger würden stracks zurückgchen undsagen: „ich kenne euch nicht! Ich hatte mir so einenklassischen Ossian vcrmuthet!"
Sago ich unrecht, oder ist nicht das Exempelvöllig da gewesen? Als der manessische Kodex ansLicht kam; welch ein Schatz von deutscher Sprache,Dichtung, Liebe und Freude erschien in diesen Dich-tern des schwäbischen Zeitalters! Wenn die NamenSchöpfliN und Bodmer anch kein Verdienstmehr hatten: so müßte sie dieser Fund und den
letzten die Mühe, die er sich gab, der Eifer, den erbewies, der Nation lieb und thcuer machen. Hatindessen wohl diese Sammlung alter Vatcrlandsge-dichte die Wirkung gemacht, die sie machen sollte?Wäre Bodmer ein Abt Millot, der den See--