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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 8 (1821) Stimmen der Völker in Liedern
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I. Ueber Osstan

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sic hörten »nd nicht lasen, von Jugend aufhvrtcn undmit sangen, und ihr ganzes Ohr darnach gebildet hat-ten , eben so schwer gewesen sey. Nichts ist stärker,ewiger, schneller, und feiner, als Gewohnheit desOhrs! Einmal ties gefaßt, wie lange behält cs das-selbe! In derIugend , mit dem Stammeln der Spra-che gefaßt, wie lebhaft kommt cs zurück, und mitallen Erscheinungen der lebendigen Welt verbunden,wie reich und mächtig kommt cs wieder! Aus Mu-sik , Gesang und Rede könnt' ich Ihnen eine Mengesonderbarer Phänomene anführcn, wenn ich einmalpsvchologisiren wollte!

Unter r 36 Rhythmusarten der Skalden, habe ichnur Einen, den sangbaren, in Worm näher siudirt(denn ihre eigentliche Prosodie, der zweite Thcil derEdda ist meines Wissens noch nicht erschienen) undwas denken Sie, wenn in diesem Rhythmus von 3Reihen nicht blos 2 Disticha, sondern in jedem Di-stichon 3 anfangähnliche Buchstaben, 3 consone

Wörter und Schälle, und diese in ihren Regionenwieder so metrisch bestimmt sind, daß die ganzeStrophe gleichsam eine prosodische Runcnteptur ge-worden ist und alles waren Schalle, Laute eineslebenden Gesanges, Wecker des Takts und derErinnerung, alles klopfte, und stieß und schallte zu-sammcn! Machen Sie nun die Probe, undstudiren Reyncr Lodbrogs Stcrbcgesang in denRunen des Worms, und lesen dann die feine,zierliche Uebcrsetzung, die wir davon im Deutschen,in ganz anderm Ton und ganz andcrm Sylbcnmaßehaben der verzogenste Kupferstich von einem schö-