dichten, Romanzen, Sonnets und dergleichen schonkünstlichen oder gar gekünstelten Stanzen, geben Siemir nach; aber bcy alten ungekünstelten Liedern,wilder,, ungesitteter Völker — wilder ungesitteterVölker? So gehörte Ossian und sein edler, großerFingal so schlechthin zu einem wilden ungesittetenVolke? und wenn jener auch alles idealisirt hatte,wer so idealisircn konnte, und wem dergleichen Bal-der, dergleichen Geschichte, der Traum des Nachts,und das Vorbild des TagsGemüthserholung undbeste Herzenslust seyn konnte; der war ein wildesVolk? Wohin ab kann man gerathcn, um nur seineLicblingsmeynung zu retten!
Wissen Sie, daß, je wilder, d. i. je lebendi-ger, je srcywirkender ein Volk ist, (mehr heißt diesWort nicht!) desto wilder, d. i. desto lebendiger,frener, sinnlicher, lyrisch handelnder müssen auch,wenn cS Lieder hat, seine Lieder seyn! Je entfern-ter von künstlicher, wissenschaftlicher Denkart,Sprache und Letternart das Volk ist: desto wenigermüssen auch seine Lieder fürs Papier gemacht, undtobte Lettern- Verse seyn: vom Lyrischen, vom Le-bendigen und gleichsam Tanzmaßigen des Gesanges,von lebendiger Gegenwart der Bilder, vom Zusam-menhänge und gleichsam Notbdrange des Inhalts,der Empfindungen, von Symmetrie der Worte,der Sylben, bcy manchen sogar der Buchstaben,vom Gange der Melodie, und von hundert andernSachen, die zur lebendigen Welt, zum Spruch-lind Nationallicde gehören, und mitdiesem verschwin-den — davon, und davon allein hangt das Wesen,der Zweck, die ganze wunderthatige Kraft ab, den