I. Heber Ossian
«
was — wenigstens die vorige schnelle Empfindunggewiss nicht ist. Haben Sie cs bedacht, was Sieso oft, und täglich fühlen, „was die AuslassungZeines, der Zusatz eines andern, die Umschreibung„und Wiederholung eines dritten Worts; was nur„andrer Accent, Blick, Stimme der Rede durchaus„für anderen Ton geben könne ?" Ich will den Sinnnoch immer unberührt lassen; aber Ton? Farbe ? dieschnellste Empfindung von Eigenheit des Orts, desZwecks? — Und beruht nicht auf diesen alleSchönheit eines Gedichts, aller Geist und Kraftder Rede? — Zugegeben, daß unser Ossian, alsein poetisches Werk so gut, ja besser, als der eng-lische sey — eben weil er ein so schönes poetischesWerk ist, so ist er der alte Barde, Ossian, nichtmehr; das will ich ja nur sagen?
Nehmen Sie eins der alten Lieder, die inShakespear, oder in den englischen Sammlun-gen dieser Art Vorkommen, und entkleiden Sic'svon allem Lyrischen des Wohlklanges, des Reims,der Wortsetzung, des dunklen Ganges der Melodie:lassen Sie ihm blos den Sinn, so so , und aufsolche und solche Weise in eine andre Sprache über-tragen; ists nicht, als wenn Sie die Noten ineiner Melodie von Pergolese, oder die Letternauf einer Blattseite umwürfen? wo bliebe der Sinnder Seite? wo bliebe Pergolese? Mir fallt ebendas Liedchen aus Shakespcars Ivvelktft-IVigtlr indie Hand, bey welchem der liebesicche Herzog vonHinnen scheiden will: —