X. Preißschriften.
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ein gleiches, theils noch ,das ärgere Schicksal, daßsie als Kunstrichter lesen, von Buchhändlern gemie-thet, wohl gar gcstimmet, und oft an Leib und Se-le erblindet. Genießt der Krämer den Duft seinerGewürze? Und ist's nicht Wohlthat für den Reini-ger dunkler Gemächer, daß ihn sein Geruch nicht mehrstöret? — Also dichte man für Jüng lin ge? aberauch die sind nach dem neuesten Geschmack selbst Dich-ter, und dienen an einem Almattach deutscher Mu-sen ; also ist auch da die Wirkung gebrochen und vcr-äffet. Also für g e s c h m a ckl ieb endeIung fr a un,ihre Bonnen und Tanten? Oder für jene vorneh-me Leser und Leserinnen, die es neulichst vonden Franzosen vernommen, ersehn und erlernt haben,daß auch Deutschland Dichter besitze, und daß mandiese wirklich lesen könne?— Allein, was ist nunauch für diese zu dichten, und was an ihren Sit-ten zu bilden? Nach zehn französischen Büchern eindeutsches zu durchlaufen, mit matter verdauungsloscrSeele es zu durchträumen, durchnaschen, durchjäh-nen; sodann zu jenen zehn hinstellen, und abermalsnach den neuesten Modebisscn schnappen — ist dasDichte rlektüre? was kann sie nützen? wer magfür sie dichten? wer in den Armen einer verwelktenBuhlerin liegen, und ihr gar Sitten geben wollen?Also bliebe nichts, als die Buchhändler, übrig,für die denn auch wirklich die meisten Meßjüngerschreiben; was diese erwählte Schaar aber (die Ju-piters, Apollons und Mäcene der deutschenMusen!) was diese aus ihrer poetischen Meßwaarefür Sitten ziehen, mögen sie selbst unter einanderam besten wissen!