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Jetzt soll ich von meiner Nation reden, aberich kann kurz seyn, weil ich oft nur wiederholen müß-te, was ich Key andern, denen wir lange nachgebuhlthaben, schon sagte. Bon jeher hat die Poesie weni-ger Wirkung auf uns gehabt, als auf die beregten Na-tionen. Unsre Barden sind verlohren, die Minnesängerlagen auf dcr Pariserbibliothck ruhig; die mittlere Zeithindurch ward Deutschland immer ausser Deutschlandgeschleppt oder mit andern Völkern überschwemmet;bekam also nicht Zeit, sich zu sammeln , und auf dieStimme seiner eignen Dichtkunst zu merken. — Ue-berdem ist's ein getheiltes Land, ein Sund von kleinenMonarchischen Inseln. Eine Provinz versteht die an-dere kaum: Sitten, Religion, Interesse, Stusse derBildung, Regierung sind verschieden, hindern und son-dern die beste Wirkung. Opitz sang für gewisseProvinzen Deutschlands lange, als ob er in Sieben-bürgen gesungen hatte. Schweizer und Sach-sen wollten sich lange nicht für Landsleute erkennen,und Nord- und Süddeutschland wollens inmanchem Betracht noch nicht. — Ueberdem kommtbey uns das Volk in dem, was wir Sitten undWirkung der Dichtkunst auf Sitten nen-nen, gar nicht in Betracht: für sie existirt noch keine,als etwa die geistliche Dichtkunst. Was bleibtuns nun für ein l e scn des P u b liku m übrig, vondessen dichterischen Sitten wir reden sollen? Gelehr-te? aber die haben ihre Sitten schon: und sind oftkeiner Wirkung der Dichtkunst fähig: sie lesen zumZeitvertreib, einen dumpfen Kopf sich etwa zu erhei-tern. Also Kunstrichter: aber die (ob sie gleichmeistens n ich t Gelehrte sind) haben mit jenen theilS