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Drittes Kapitel.
Wirkung der Dichtkunst auf dir Sittel»neuerer Zeiten.
Als die Wissenschaften in Italien aufleblen,entstand zuerst eine neulateinische, und w»möglich, neugriechische Dichtkunst. Manwar in die wieder aufgefundenen Alten so verliebt,daß man sic, wie man nur konnte , nachahmtc, so-gar die alten Götter und Göttinnen als schöne Phra-sen hervorbrachte, und sich nun überredete, daß manrecht klassisch schrieb. Nun gieng's freylich nichtan, sich flugs in einen Griechen und Römer zu ver-wandeln, und noch schwerer war's, die ganze Weltum sich griechisch und römisch zu machen; aber dasschadete nicht: es war doch eine so schöne Spra-che: es waren so schöne Muster: man vecsisicirk«und dichtete römisch.
Daraus mußten Nachtheile entstehen, die einemgewissen Theilc der Menschen das ganze Asel derDichtkun st verrückt haben. Das Volk verstanddiese Sprache nicht, und auf's Volk konnte die Dicht-kunst also nicht wirken; der beste lebendige Zweckund Prüfstein der Güte gieng also verlohren.Gelehrte schrieben für Gelehrte, Pedanten für Pe-danten, die meistens (wie ihre herrliche Auslegungder Alten zeigt) gar keiner Wirkung der Dichtkunst