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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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X. Preißschriften.

auf seine Brüdergemeinen zu wirken. Ein ChorSingender ist gleichsam schon eine Gesellschaft Brü-der: das Herz wird geöffnet: sie fühlen im Stromdes Gesanges sich Ein Herz und Eine Seele.

Die ersten wirksamen Gedichte in derVolkssprache waren also auch, da sich die Dichtkunstwieder empor hob, Kinder aus dem Schoos undBusen der Religion. Dantc's großes herr-liches Gedicht umfaßt die Encyklopadie seines Wis-sens, das Herz seines Lebens und seiner Erfahrungen,die Blüthe aller Mysterien und Moralitäten, Him-mel und Erde. Von diesem Baume brach Mil tonseinen Zweig, da er das verlorne und wie ber-ge fun den e Paradies schrieb. Die erhabenstenund rührendsten Stellen Petrarchs gewahrt ihmdie Unsterblichkeit seiner Laura. Die Poesie istso sehr Kind des Himmels, daß sie sich nie reinerund voller in ihrem Ursprünge fühlt, als wenn siesich in Hymnen, im unendlichen All verlieret.

Wenn also eine Poesie der neuern Zeiten Werthhat, so müßte es diese seyn; und wie kommt's, daßeben sie und die moralische Dichtkunst, ihre Schwe-ster, am meisten ihre Kraft verloren? Wir-gehenzu den neuern Zeiten über, und wollen aus dem sovervielfältigten, reichen und bunten Garten der Dicht-kunst nur die für uns nothwcndigstcn Blumen undFrüchte brechen.