X. Preißschriftcn.
Orgel sic dcm Unterdrücker Gericht zuriefen, demverborgnen Bösewicht Gewalt des Leichters: wenn sieHohe und Niedre vereinten, vereint eins die Knicewürfen, und Ewigkeit in ihre Seele senkten — welchePhilosophie, welch leichtes, lichtes Lied des Spott'sund der Narrheit hat das gethan, und wird's je thunkönnen? Wenn diese Poesie nicht auf Charakter undSitten wirkt, welche wird denn wirken?
Ich läugne nicht, daß in den Mittlern Zeitendie lateinische, die Mönchssprache viel Rührendes inder Art gehabt hat. Außer dem, daß sie immer, weilsie lateinisch war, eine Anzahl andrer Schriften undKenntnisse mit sich erhielt; sind mir im elendenMönchsstyl Elegien, Hymnen zu Gesicht gekom-men, die ich wahrlich nicht zu übersetzen wüßte. Siehaben ein FeyeNiches, ein Andächtiges, oder ein sodunkel - und sanft - Klagendes , das unmittelbar ansHerz geht, und dem zu seiner Zeit es gewiß an Wir-kung nicht fehlte. Die ersten Stimmen in den Rc-formationszeiken waren Elegien oder Satyren;diese bereiteten die Gemüther vor, bis sie auch in derLandes- und Volkssprache erschallen konnten. InEngland giengen die Plowman's Visions und Plow-wan's Creed Wiklefen, so wie in DeutschlandKlagen und Elegien Hussen voraus. Von beydenSeiten wird überall wie mit Streitschriften, so auchmit Liedern gefachten, und Lieder sind allemal,Gesinnungen unter das Volk zu bringen,das wirksamste Mittel gewesen. Was die Gesängeder böhmischen Brüder und Luthers Liederausgerichtet, ist bekannt. Auch in unsrem Jahrhun-derte unterließ Zinsendorf nicht, durch Gesänge