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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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426
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X. Preißschriften.

Synesius, Sedulius Prudenz u. f. KraftIl'd Drang zur Seele absprechen könnte? Mit demlieblichen Klange des Liedes, sagt Augustin, ziehtsich das Wort Gottes ins Herz: die Seele wird hin-aufgcschwungen und fühlet mehr die Wahrheit, denTon, das Leben ihrer Lehre.

An der Wirkung also, die das Ehristenthumauf die Sitten der Welt gehabt hat, nimmtauch sein großes Werkzeug, das Lied, Theil; nur.geht auch hier die Kraft des Himmels stille und ver,borgen einher; die Wirkung keiner Poesie ist vielleichtverkannter als diese. Und doch wirkt sie auf denbesten, treuesten Theil der Menschheit, und das nichtselten, sondern täglich; nicht über Gleichgültigkeiten,sondern eben bey den drückendsten Umstanden ammeisten, da ihm Hülfe Noth thut. Jene heiligeHymnen und Psalmen, die Jahrtausende alt, undbc» jeder Wirkung noch neu und ganz sind, welcheWohlthatcr der armen Menschheit sind sie gewesen!Sie giengcn mit dem Einsamen in seine Zelle, mitdem Gedrückten in seine Kammer, in seine Noth,in sein Grab; da er sie sang, vergaß er seiner Blüheund seines Kummers: der erdermattete traurige Geistbekam Schwingen in eine andere Welt zur Himmels-freude. Er kehrte starker zurück auf die Erde, fubrfort, litt, duldete, wirkte im Stillen, und überwand was reicht, an den Lobn, an die Wirkung dieserLieder! oder wenn sie im heili gen Eher den Zerstreu-ten umsiengen, ihn in die hohe Wolke des Staunensversenkten, daß er hören und merken mußte: oder,kenn im dunkeln Gewölbe, unter dem hohen Rufeder Glocken, und dem durchdringenden Anhauch der