Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
Entstehung
Seite
421
Einzelbild herunterladen
 

X. Preißschriftem

421

ter wunderbarer Liebe, wenn er auch nur inRomanen und abentheuerlichen Erzählungen vor-schwebte , damals als man in Unwissenheit daranglaubte, einen bösen Eindruck gemacht habenkann. Die romantische Liebe zum Frauenzimmer,unterstützt von nordischer Keuschheit, hat Jahrhundertsherab viel Gutes auf Europa gewirkt, was frecheRomanen und zügellose Gedichte nie wirken werden.Laß alles steif und unnatürlich fern; die Sittender Zeit waren selbst steif und der Grad des Un-natürlichen oder Wahrscheinliche» richtet sich nurnach dem Maaße unserer Unwissenheit und Fähigkeitzu glauben.

Ueberhaupt ist's lhöricht, die Wirkung einerSache zu Einer Zeit aus dem Geiste einer ganzandern zu beurtheilcn oder gar zu laugnen. Durchrohe Dinge von der Art wurden damals Unterneh-mungen hervorgcbracht, die wir jetzt mit unserer fei-nen Poesie und Staatsklugheit kaum hcrvorbringcnkönnten; die Kreuzzüge nach Orient sind de-ren gewiß Eine. So wie sie nun von Sitten undSagen, mit Gründen der Religion unterstützt, son-derbar hervorkamen; so batten sie wiederum auf dieSitten und Sagen Europens noch einen sonder-baren Einfluß. Nun stoffen Erzählungen, Wun-der und Lügen noch eines dritten Welttheils dazu:Norden, Afrika, Spanien, Sicilien, Frankreich, dasgelobte und das Fecnland wurden gepaaret. Dereuropäische Rittergeist ward morgenlandisch und geist-lich : es entstanden H el d e n g esang c, Aben-

theuer und Wun d ercr za hlung en, die auf'sunwissende und abergläubige Europa mit Erstaunen