Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
Entstehung
Seite
413
Einzelbild herunterladen
 

X. P re i ß sc h ri fte n. 4»3

Ueberhaupt hcittcn diese^Nationen einen unend-lichen Glauben an die Kiffst solcher Gesänge undLieder. Sie setzten sie der Zauberey zunächst, undOdin *) rühmt sich, Lieder zu wissen, wodurch erHülfe geben, Zank, Krankheit, Traurigkeit, Schmerzvertreiben, die Waffen der Feinde stumpf machen,Bande und Kelten von sich abwenden, den Haß aus-löschen, Liebe erregen, ja Tobte lebendig machen,und zur Antwort bringen könne. " Ein Glaube derArt mußte grosse Wirkung hervorbcingcn: erwar die Seele ihrer Lieder; auch haben ihn Thatenbewahrt. Wo sind die Normanncr nicht hingekom-men in den Mittlern Zeiten? wo haben sie nicht ge-streift, geschlagen und überwunden?

Rauher Helden muth war die Seele die-ser Gesänge, obgleich auch andere Stücke zeigen, wiezart sie vom weiblichen Geschlechts gedacht, und, wieschon Tacitus von den Deutschen rühmt, das Gött-liche in ihnen verehret wurde. Zbr Land, Klima,der Bau ihres Körpers und am meisten ihr langerBeruf und die Seele, die ihnen ihr Führer Odin ein-gehaucht hatte, machte sie den Rosen des Gesangesunempfindlich; als sie diese in den Südländern ge-niesten lernten, war die Starke ihrer Brust dahin,sie entschlummerten in Armida's Armen. Indessenzeigt der Charakter einiger großen Männer dieserVölker, die wir naher kennen, daß sie nicht so bar-

*) S. Edda. Zn Maklers Gesch. v. DänemarkLH. i. findet man vieles, wiewohl alles verstüm-melt, und nichts im Geist des Originals mehr.