X. P r ei ßschr i ft e n.
so viel Tr einer spiele ikire Wirkung thaten, zu-gleich so viel Lust an Ar i st oph an c S Stücken fand,und in denselben, oft mit ziemlich ungereinigten Lei-denschaften, selbst die Rollen spielte. Auch die lan-gen theatralischen Wettstreite ließen wohl nichtimmer die Wirkung, die Aristoteles vorschreibt, su-chen oder erreichen: wenn man den ganzen TagSchauspiele sieht, thut man's kaum, die Leidenschaf-ten zu reinigen. P l a to und Epi k tc c, die bcydeGriechen waren, unterwarfen die Bühne einer schar-fen, sittlichen Musterung, von der es schwerzu behaupten ist, daß sie sich in Athen immer habefinden können oder je gefunden habe. Also wird die-ser Endzweck des griechischen Theaters wohl nochlange Problem bleiben. Nicht immer chut's zurSache, ob Dichter selbst die Sitten haben, die sie.schildern; so viel ist aber gewiß, daß etwa ein all-gemeines Gemählde der Sitten, aus ihrerArt Gegenstände zu behandeln, folge. Anakreonkann für sich immer ein Weiser, d. i. ein Poet ge-wesen seyn, da er Wein und Liebe sang, und vcr-muthlich sind die Gedichte, die seinen Namen füh-ren, gar nur eine Anthologie des Inhalts, zu demer den Ton gab. Sappho mit ihrer Liebe zuPhaon, Archilochus mit seinen Satyren, dergroße Solon mit seinen leichten Liedern, andere mitihren Lobpreisungen der Knabcnliebe mögen Ausnah-men machen, oder diese Sitten wirklich unschuldig,oder etwa nur schöne Flecken seyn im Charakter derliebenswürdigen Griechen; für uns, die wir keineGriechen sind, die wir nicht, wie sie, unter Tanzen,Festen und Kränzen leben, ist wenigstens dieseSeite nicht gerade die erste nachzuahmen oder zu lob»
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