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X. Preiß sc hriften.
angewandt worden, durch die sich nun Gesetze undLehren schlangen. Homer war ihnen alles, undder feine Blick, mit dem dieser alles gesehen, je-den Gegenstand, nicht straff angezogcn, sondern inseinem leichten, reinen Umrisse, richtig und leicht ge-messen, gezeichnet hatte — der feine Blick, dasleichte, richtige, natürliche Verhaltniß in allem,wurde auch ihr Blick. Leichte also und natürlicheGesetze, ein geschicktes Verhaltniß der Men-schen gegen einander, waren ihre Anstalt, ihre Er-findung. Die Denkart der Menschen, ihre Sittenund Sprache bekamen einen Strom, eine Fülle,eine Runde, die sie noch nicht gehabt: alles zuTiefe wurde erhöhet, das Schwere leicht, das DunkleHelle, denn aus Homer holten sie Sittlichkeit,Kunst und Weisheit, und freylich machten sieauch aus Homer, was jeder wollte, nachdem ihmeine Lust ankam, dies oder das zu kosten.
Daß in diesem dichterischen Charakterder Griechen Alles zu bewundern und nachzuahmensey, will ich nicht sagen. Offenbar ward hiemit man-ches zu sehr schaugetrage n, alles zu flüssig undleicht gemacht. Die Religion ward auch, der Wir-kung und dem Werthe nach, Mythologie, diefremde, zumal alte oder Alltags-Geschichte, M a dr-ehen, die StaalsweiSheil Rednerey, die Philo-sophie Sophistik. Wahrer Werth verlor sich mitder Zeit aus Allem und es blieb schönes Spiel-werk, bunte Oberfläche übrig. So lange nochNeste der Heldenzeit da waren und das heilige Feuerder Freyheit hie und da glimmte, waren sie edel,wirksam, fochten und fühlten; bald fochten und fühl-