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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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385
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sen Jude, Christ oder Türke, man muß ihre Hoheitfühle» , und die reinen Pflichten, die immer darangeknüpft werden, im Staube ehren. Die einzelneVorsehung Gottes, wo ist sie kräftiger qeprie-sen und erwiesen, als in der Geschichte dieses Vol-kes, und in den Liedern, Prophezeyhungen, Psal-men, die aus dieser Geschichte reden? Das Christen-thum, mit seiner simpel» göttlichen Weisheit, ist ausdiesem Stamme gesproßt, zog Saft aus dieser Wur-zel in Bildern und Sprache. Lehre und Trost, Auf-munterung und Warnung, alles was cin MenschGottes bedarf, wornach er dürstet in den Tiefen sei-ner Seele, ist hier kräftig enthüllet oder reizendverhüllet, und wenn alle Mcnschendichtkunst Rauchund Pfütze würde; so glänzt in dieser die Sonne,voll Licht, Leben und Warme, hoch über Wolken,Dunst und Nebel.

Aber warum mußten so erhabne Lehren undTriebfedern zur Sittlichkeit der Menschen in eine soenge, übertriebene, dunkle Nationaldichtkunsteines Volkes verhüllet werden? Ich glaube nicht,daß jemand so fragen könne, der den Geist dieserGedichte an Stelle und Ort gefühlt hat. Fürdies Volk waren sie ja eigentlich, und so mußtensie in der Sprache, den Sitten, der Denkart desVolkes und keines andern in keiner andern Zeit scpn.Nun lebte dies Volk noch unter Baumen, wohntein Hütten, in einem Lande, wo Milch und Honigfloß; philosophische Grübcleyen und sogenannte reineAbstraktionen, die als aufgethaute Schalle, als un-sichtbare Geisteb in der Luft fliegen, waren ihm undseiner Sprache fremde. Wie Gott also in der Na-Herders W. Lit. u. Lunst. IX. B b L/,t,n-nlcee.