372 X. Preißschriften.
eine Natur, Empfindung, Handlung, Sitten, Spra-che; die große Mutter der Wabrheit und Liebe sichteuerni Spiele zu, sie lacht oder jammert. Die wahrePoesie ist todt, die Flamme des Himmels erloschenund von ihren Wirkungen nur ein Häufchen Ascheübrig.
Das ist also Dichtkunst und so wirkt sie; aberwas wirkt sie? wie bringt sie Sitten hervor?und sind diese gut oder böse?
Mich dünkt, diese Fragen allgemein zu beant-worten, ist gar nicht möglich. Alle Gabe Gottes in derNatur ist gut, und so auch die große Gabe über sie alte,ihre lebendige Sprache. Sinne, Einbildung,Handlung, Leidenschaft, alles was die Poesie aus-drückt und darstellt, ist gut; mithin kann auch ihrEindruck auf andere, durch Harmonie und Einstim-mung, nicht böse genannt werden *). So wie aberalles in der Schöpfung und gerade das Edelste ammeisten mißbraucht wird; so kann auch die Poe-sie, der edle, entzückende Balsam aus den geheimstenKräften der Schöpfung Gottes, süßes Gift, berau-schende, tödtende Wollust werden. Lasccki iwaonr-
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*) S, L-rril, äs lexeuä, Araesor, libr.