363 X. Preißschriften.
Erster Abschnitt.
Was ist wirkende Poesie? und wie wirkt sieauf dis Sitten und Völker der Menschen?
Ist Poesie das, ' was sie seyn soll, so ist sieihrem Wesen »ach wirkend. Sie, die Sprache derSinne, erster mächtiger Eindrücke, der Leidenschaftund der Einbildungskraft. Sie, der Ausdruck gros-ser Handlungen, und der Freude oder des Schmer-zes, mit welchen man sie erlebt, gesehen, bewirkt,oder ihr Andenken empfangen hat, Poesie, die Spra-che der Liebe und des Hasses, der Furcht und Hoff-nung — wje sollte diese nicht wirken? Natur,Empfindung, die ganze Menschenseele floß in dieSprache, drückte sich in sie, als ihren Körper, ab;wirkt also auch durch ihn in alles, was gleicher Na-tur ist, in alle mitempfindende Seelen. Wie derMagnet das Eisen ziehet, wie der Ton einer Saitedie andre regt, wie jede Bewegung, Leidenschaft undEmpfindung sich fortpflanzet und mittheilt, wo sienicht Widerstand findet; so ist auch die Wirkung derSprache der Sinne, d. i. der Poesie, allge-mein und im höchsten Grade natürlich. Siedruckt sich der Seele ein, wie sich Bild und Siegelin Wachs oder Leim formet *).
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*) Es sind dies meistens Gleichnisse und Bilder, diePlato, Cicero und die Dichter selbst von derArt ihrer Wirkung gebraucht haben; es wäre zuweitlaustig, die Stellen alle zu citireg,.