X. P r e i ß sc h r I ft e n.
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Je wahrer also, je kenntlicher und starker derAusdruck unsrer Empfindungen ist, d. i. je mehr eswahre Poesie ist; desto starker und wahrer ist ihrEindruck, desto mehr und langer muß sic wirken.Nicht sie, sondern die Natur,' die ganze Welt derLeidenschaften und Handlungen, die im Dichter lag,und die er durch die Sprache aus sich zu bringenstrebet — diese wirket. Die Sprache ist nur Kanal,der wahre Dichter nur Dolmetscher, oder, eigentlich,der Uebcrbringer der Natur in die Seele und in dasHerz seiner Brüder. Was auf ihn wirkte und wiecs auf ihn wirkte, das wirkt fort, nicht durch seine,nicht durch willkükrliche, konventionelle , sonderndurch Naturkrafte. Und je offner die Menschen sind,diese zu fühlen oder zu ahnen; je mehr sie Augenhaben, zu sehen, was in der Natur geschieht, undOhren zu hören, wie cs ihnen der Bote der Schö-pfung mittheiit; desto starker wirkt nothwcndig dieDichtkunst in ihnen. Und sofort wirkt sie aus ih-nen weiter. Je mehr sie auf Menschen in Menge'wirkt, die ihre Eindrücke gemeinschaftlich empfangen,und einander wie zurückgeworfene Strahlen der Son-ne, mittheilcn: desto mehr nimmt Wärme und Er-leuchtung, die aus ihr quillet, zu; der dichterischeGlaube kann Glaube des Volkes, Handlung, Sit-ten, Charakter, Thcil ihres Schadens oder ihrerGlückseligkeit werden.-
Nun haben es schon treffliche Männer unter-sucht, in welchem Zustande und Zeitalter dasmenschliche Geschlecht und seine Gesellschaft dieserSprache der Natur, ihrer Sinne und Leidenschaften
Herders W. Lit.u. Kunst. IX. A a Llumenl«^.