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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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356
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X. P rei ß s c h ri ften.

wird sich ihm die Form eindrückcn; unvermerkt wirder in dieser fortdenken, sortschreiben und wenn cs daSGlück will, sorthandeln. Leset ihm gut vor und erwird, ohne daß ers weiß und soft will, gut lesenlernen. Lasset ihn sich an guten Mustern üben unddas Schlechte ihm nicht bekannt werden, bis er sichjene eigen gemacht hat, so wird er auch in den Hä-hern Wissenschaften gut denken, mithin auch gut re-den : denn das schönste Kleid der Gedanken ist im-mer das engste, das anschließende Kleid der Wahr-heit.

2. Die schönen Wissenschaften, rechtverstanden, haben den Vorzug, daß sie für alleStande und Geschäfte sind, statt dessen jedehöhere nur ein abgesondertes Feld bauet'; sie müssenalso, zumal mit der Jugend, in dieser Allge-meinheit getrieben werden.

In frühem Jahren weiß niemand so leicht, wo-zu er lernt: der Beruf und die Geschäfte des Lebenshangen nicht immer von unserer Neigung und Will-kühr ab. Ist also ein Mensch gar zu cinschliessendund abgeschrankt auf eine h ö h ere Wissenschaft oderLebenssphäre vorbereitet worden und das Glück istihm ungünstig, so ist er verlohren. Er kann nichtseyn, was er seyn wollte und er war nichts ausserdiesem.

Zudem so hat eigentlich kein Geschäft und keineWissenschaft eine so abgezäunte Sphäre, daß sie nichtmit andern zu thun hätte; völlige Einseitigkeit alsoin Einem Fache gebiert nichts als Haß und Neid,unbillige Verachtung und taube Unschicklichkeit gegenjedes andere, das uns vielleicht zunächst gränzet. Derpure pute Jurist verachtet den Theologen so unbillig,