X. Preißschriften.
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Wem in seiner Jugend Gedächtniß, Sinne,Witz, Phantasie, Lust und Neigung verkümmertund abgestumpft wurden; was wird dessen Verstandin reiferen Jahren für Materialien haben, die er be-arbeite, was für Formen und Formeln, nach denener sich übe? Was kann sein Wille thun, wenn seineKräfte, richtig zu imaginiren, zu wollen und zuthun, unerweckt und ungebildet oder gar mißbildctsind? Er schreibt auf einem vermahlten, verknitte-ren, ungelcimtcn Papiere; mit stumpfen Waffenwill er streiten, und mit ungeschickten, verrostetenWerkzeugen oder gar ohne Werkzeug das größteKunstwerk des Lebens, die Bildung seiner Seele,vollführen.
Wie die Morgenröthe vor der Sonne vorher-gcht, und Frühling und Saat vor der Ernte her-gehen müssen: so die schönen vor den hö-
heren Wissenschaften. Sie streuen aus,was die letztem ernten; sie geben schönen Schein,diese wärmen und leuchten mit ihrer ganzen Wahr-heit.
3. Sinne und Leidenschaften, Phantasie undNeigung können, in gewissem Verstände, die größ-ten Feinde dcS Guten und der Wahrheit werden.Sind sie überwunden, und nach geschlossenem Friedender Wahrheit zu Freunden erworben, so ist die Sa-che gemacht: die höheren Wissenschaften triumphirenauf ihren Schilden. Das allein ist wahre Weisheit,die den Sinnen durchaus nicht nur nicht widerspricht,sondern sie vielmehr berichtigt, ordnet und bestätigt.Das allein ist ein schöner Vortrag der Geschichte, zudem die Thal selbst gleichsam den Ausdruck gewählt