X. Prcißschriften.
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Wer hat je einen Mann von richtigem Ver-stände gekannt, den sein sinnliches Unheil immerirre führte? Wer sah je mit dem Verstände recht,wenn er mit seinen Augen und der Phantasie immerfalsch sah? Wer war Herr über seinen Willen,dem seine Leidenschaft nicht gehorchte, dem die Phan-tasie befahl, der in allen seinen geheimen NeigungenStricke fühlte, die ihn, den Simson, sieben- undtausendfach fesselten, ohne daß ihn eine andre Kraftbefreyte? Die schönen Wissenschaften sind also, odersollen seyn Ordncrinnen der Sinne, der Einbildungs-kraft, der Neigungen und Begierden; das Schglaszur Wabrheit, die sich uns Sterblichen immer nurim Schein offenbaret, Dienerinnen, die den Grundunsrer Seele ordnen, damit Wahrheit und Tugendsich ihr offenbare; ein mehrerer kann kaum zu ihrerRechtfertigung und höchsten Bestätigunggesagt werden.
2. Sinne und sinnliche Kenntnisse, so wie ge-heime Neigungen und Lüste, sind das Erste, dasin unsrer Seele aufwacht; der Verstandkommt spat, und die Tugend, wenn sic uns nichtdurch sinnliche Ucbungcn eingcpflanzt wird, gemeinig-lich noch spater. Also ist mit der Jugend jugendlichanzufangen; unsre sinnlichen Kräfte sind sinnlich zubehandeln und zu bilden, durch leichte Regeln,und, noch besser, durch gute Erempcl. Die schö-nen Wissenschaften beschäftigen sich mit beyden; al-so ist ihr früher Gebrauch der Natur undOrdnung der menschlichen Seele ange-messen und hiemit für alle andern Wissenschaftengenug empfohlen.