X. P r ei ß sc h r i ft e n.
345
Das Beste ist auch hier: ein Besseres durchThat und Vorbild in bessern Begriffen und Bey-spielen zu zeigen; es ist dies die Absicht der Frq-ge: welchen Einfluß die schönen Wis-senschaften, recht gefaßt und recht ge-übt , in die höher« Kenntnisse ha-ben?
Schöne Wissenschaften sind die, welche die soge-nannten untern Seelenkräfte, das sinnli-che Erken ntniß, den Witz, die Einbil-dungskraft, die sinnlichen Triebe, denGenuß, die Leidenschaften und Neigun-gen ausbilden sollen; ihre Erklärung selbstzeigt also genugsam, daß sic auf die höhern Wis-senschaften, die sich mit dem Urtheil und Ver-stände, dem Willen und den Gesinnungen beschäfti-gen , den schönsten und besten Einflußhaben.
1. Alle Kräfte unsrer Seele sindursprünglich nur Eine Kraft, wie unsreSeele nur Eine Seele. Wir nennen oben und un-ten, hoch und niedrig, was nur vergleichungs- undbeziehungsweise so ist; im Ganzen aber ist ein rich-tiger Verstand ohne richtige, wohlgeordnete Sinne,ein bündiges Urtheil ohne eine geregelte und zu ih-rem Dienst brauchbar gemachte Einbildungskraft, einguter Wille und Charakter ohne wohlgeordnete Lei-denschaften und Neigungen nicht möglich. Also istsJrrthum und Thorhcit, die höheren ohne di^eschönen Wissenschaften auzubauen, inder Lust zu ackern, wenn der Boden brach liegt.