X. Preis! sc hrfte n.
Zärtling in den Garten der Armida oder gar in derGrotte der Kalypso verzaubert: er wird nie, wennihm nicht die ernstere Wahrheit als Retterin erscheint,ein Held oder ein verdienter Mann werden. DasSchöne in den Wissenschaften, wie er darnach lauft,ist nur Kolorit, nur Oberfläche; er pickt darnach,wie der Vogel nach der Farbe, er hascht darnach,wie nach einer schönen Wolke. Die schöne Ansichtvergeht und er hat nichts.
Zudem ist nicht alles Gold, was glanzt, undnicht alles schön, was einem unerfahrnen Jünglingeoder verzärtelten Weibe so scheinet. Die Modelek-türe der Zeit ist oft ein Garten voll Sodomsapfel, aus-wendig schön, innwendig voll Staub und Asche. EinJüngling, der, was und wie etwas sogenannt Schö-nes gedruckt erscheinet, es begierig verschlingt, haltgewiß ungesunde Mahlzeit: Gutes und Böses ißt erdurcheinander und da das Meiste süß und üppig ist,so wird sein Geschmack verdorben und verwöhnet. DasReich seiner Wissenschaft, wenn es so enge wie seineZeit ist, kann ihm nicht bessere Früchte geben, alsdiese giebt, und er kann aus ihnen nicht gesündereSafte kochen, als die Früchte ihm gewahren. Kömmtnun noch dazu, daß der also genährte Jüngling selbstRichter in den schönen Wissenschaften wird, ehe erSchüler; Meister, ehe er Lehrling geworden; GnadeGott für den Einfluß! Was je die Sophisten zuSokrates Zeit waren, sind solche Kunstrichter in un-fern Tagen: sie wissen Alles, sie entscheiden überAlles; die Kunst zu schwatzen haben sie gelernt, undworüber laßt sich nicht schwatzen? Am meisten darü-ber, wovon man nichts weiß; da kann man unbe-