3e,c> X. Preiß sch riften.
dies zugleich angenehm ist und eine schöne Oberflächehat. Sie läßt also gern die alten Autoren, die diewahren Muster des Schönen sind, Philosophie,Theologie und gründliche Kenntnisse anderer Arr ru-hen, um sich an den witzigen Schriften ihrer Spra-che zu erholen und die Einbildung damit zu füllen.So gchks in Schulen und auf Akademien, und da inden früher» Lebensjahren der Geschmack seine Rüh-rung erhalt, so schreitet man fort, wie man begann;auch in Zeiten und Standen, wo mans nicht vcrmu-thet, flehet man jetzt Schönwissenschaftlcr und Schön-künstler, wie man sie gern entbehrte; ästhetisch-poe-tische Prediger, witzige Juristen, mahlende Philoso-phen , dichtende Geschichtschreiber, hypothcsirendcMeßkünstler und Aerzte. Das Leichte hat über dasSchwerere gesiegt, die Einbildung hat vor dem Ver-stände Platz genommen, und je mehr Reize und An-lässe es von aussen giebt, diese Auswüchse menschli-cher Scelenkcafte und schöner Literatur zu befördern,desto mehr gedeihen sie und ersticken das Trockne,Schwerere, mit ihrem üppigen Wüchse.
Der Schade hievon ist theils für die Subjekteselbst, die auf diesen Irrweg gerathen, theils für dieWissenschaften, die sie bauen oder bauen sollen, be-trächtlich und oft lange unersetzlich. Wir werdenalles, was wir seyn sollen, nur durch Mühe, durchUebung. Unter welchem Vorwände, zumal in jün-ger» Jahren, wir diese vcrnachläßigen, haben wirschon immer den Nachtheil, daß, wenn unsre Ner-ven ungeübt, unsere Kräfte unentwickelt blieben,wir, so reich unsere Beute von aussen seyn mag,in uns selbst arm und schwach sind. EinJüngling,allein in den schönen Wissenschaften erzogen, ist ein