morgenländischer Erzählungen. 217
morgenländische Erzählung einen vorzüg-lich - schönen Platz einnehme, darüber darf mannur das Gefühl der Jugend fragen. Ich binmir der Zeit noch wohl bewußt, da ich in mei-ner Kindheit die Gellertsche Erzählunglas:
„Als Moses einst vor Gott auf einem Berge trat,u. s. w."
und wie tief mich damals ihre hohe Einfalt rührte.Auch ists nicht der Glanz des Wunderbaren allein,der in den morgenländischen Dichtungen das Augedes Jünglings an sich ziehet und sein Gemüth wiemit einer goldncn Flamme bestrahlet; vielmehr istsder reine Umriß, die hohe Simplicität der Gestal-ten und Wahrheiten selbst, die sich ihm unvergeß-lich eindrückt. Unsre Geschichte schleicht unter einemGewirr kleiner und feiner Bestimmungen, des Stair-des, der Lebensart, der Zeit, des Orts , der Per-sonen einher; dort sind wenige Gestalten bestimmtins Große gezeichnet. Der Sultan ist Sultan; derSklave ein Sklave; das Weib ein Weib ; der Mannein Mann. So ists mit den andern Charakterendes Richters, des Höflings, des Einsiedlers, desZauberers; sie sind alle so bestimmt als die Lhier-charakterc der äsopischen Fabel. Dazu ist die Lehre,auf welche die Erzählung angelegt ist, selten von derkleinlichen Art, die in unfern, insonderheit artigen,Erzählungen herrschet. Die Dichtung ist kühn undgroß; die Lehre, die in ihr dargestcllt wird, unge-