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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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VIII. Ueberdcn Werth

liche Gestalten sich langst seinem Auge, ja vielleichtseinem Gcdächtniß selbst entzogen haben. Aber wohersollen wir diese Tugcndbilder nehmen, wenn sie nichtda sind? oder was sollen wir, wenn sie fehlen, anihre Stelle setzen? Goldne Sittenspr lieheundRcgcln sind freylich von unschätzbarem Werth .frühzeitig gelernt, geben sie unserm Geist, wenigstensun ferm Gedächtnis; einen schönen Vorrakh zukünfti-ger Bemerkungen auf die Reise des Lebens; alleinwie viel fehlt ihnen noch, daß sie mit aller Machtdes Bepspicls wirken! Aus einzelnen Erfahrungenwurden sie gezogen; in diese müssen sie also zuerstzurückkchren und sich mit der Geschichte gleichsamumkleiden, ehe sie nur als lebendige Wesen vor unserscheinen, geschweige zu unserm innersten Bewußt-sein; sprechen, und unserm Geist oder Herzen ihrBild kindrücken könnten; außerdem bleiben sie bloßeSchattengestalten oder sind leere Töne. Es ist alsobey ihnen, insonderheit wenn sie auswendig gelerntwerden, Maas und Borsicht nicht gnug zu empfeh-len: denn ein Kind, das viele Sittcnsprüchc auf derZunge hat, ohne sie weder dem Verstände einge-prägt, noch mit der Anwendung verbunden zu ha-ben, wird gar bald einem dürren Gewächs gleich,das man statt eigner Früchte m>t fremden Perlenbekränzte.

Also werde die Sittenlehre in Handlung gesetzt,oder sie entspringe vielmehr selbst aus Handlung;und hier bieten sich zuerst die Einkleidungen an, dieman äsopische Fabeln nennt. Nicht weilAesop diese Gattung des Unterrichls erfunden, heißen