2Ü6 VII. Das Buch der gerechten Mitte
den man hoch hinab mit aller Gewalt in den Brun-nen stieß; er füllte sich gleich, ging aber auch un-ter. Man sah nicht mehr, wo er war."
„Ein Regent, eine Obrigkeit, ein Hausvater,jeder Mensch endlich, der auf seinem Platz zu stehenweiß und ihn würdig ausfüllt; nie zu gelinde, niezu strenge, nachgebend und kräftig, fordernd das,was ihm gebührt, auf die leichteste Weise — Er istder halbgefüllte Eimer, im Gleichgewicht schwebend.Er schwamm nicht unnütz über den Wellen, nochsank er überfüllt zur Tiefe hinunter. Dies ist derSinn des binscncn Eimers am Thron. Uraltersthat man bey jeder Thronbesteigung vor dem neuenMonarchen, was ich jetzt gethan habe, und zeigteihm damit das einzige Mittel, sein gleich glücklichund wohl zu regieren; die Mitte, das Maas.Ich habe nur einen alten Gebrauch ausgelegt; nutzeihn jeder nach seiner Weise."
Bescheiden trat er zurück; der Mandarin schämtesich; die Umstehenden gaben ihm Beyfall. Er selbstnutzte diese Erfahrung, bauete seine Sitten - undStaatslehre darauf; er schrieb sein Buch Tschong-Pong, die rechte Mitte. Gleichschwebend senkteer den binsenen Eimer in den Brunnen der Weis-heit.