262 VI. lieber cm morgcnlandisches Drama.
ters ist hier so rührend schon, wie dort das Verken-nen der Mutter rührend - schrecklich war; nach derWeise Gandacwa (der seligen Geister) waren sic imHaine der Jugend vermahlt, ins Paradies der Gan-darwa ward die beh Hofe verkannte Sakontala ge-rettet, und da finden sie sich, Duschmanta nach vie-len Büßungen und Verdiensten, endlich wieder; dasseligste Ehepaar, der Gott des Lichts mit der Göt-tin des Tages, Eltern der zwölf Sterncnbilder desunermeßlichen Himmels, erneuen ihre Verbindung.Höher konnte die Abkunft der Beherrscher Indiensnicht gesichert werden, und wie dürftig mag die Tra-dition gewesen scyn, auf die der Dichter baute, dieer so hoch idcalisirte *)!
Die Farben des Drama in der Diction, inGleichnissen und Bildern sind die zartesten und präch-tigsten , wie sie nur jenes Klima mit seinem Natuc-rcichthum hcrvorbringen konnte. Selbst Griechenlandscheinet arm dagegen, noch mehr sinds die nordischenLander. Auch die Reize der Musik sind nicht ver-gessen ; aber sie ertönten nur hie und da als zarteAnklange, nicht überstimmend. Die Indier haben
*) DerBagawadam sagt nichts von dieser Geschichte,als: „Nelens Sohn war Duschtanden. Auf derJagd beschlief dieser die Sugundeley; sie brachteden Sorüdcminen zur Welt, den der Vater aufdie Versicherung des Agassalani für den Seinigenerkannt. Dieses Kind hieß Varaden und von ihmstammt eure Familie ab. (Sugen nämlich sprichtzum Könige Parikschitu) „Baraden war einer derberühmtesten Eroberer, er unterwarf sich alle Kö-nige der Welt." Dies ist das Kind, das in derSakontala mit dem jungen Löwen spielet.