Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
Entstehung
Seite
261
Einzelbild herunterladen
 

VI, Ucbcr ein morgenlandischeS Drama. 261

chm Platz man einst dm Indiern, wcnn'mehrereihrer Stücke bekannt sind, unter den Theaterliebha-bcrn anweisen werde, mag die Zeit entscheiden; ge-nug, daß dies erste Stück, das wir von ihnen ken-nen, ob es gleich nur ein dramatisches Eposist, in allen wesentlichen Theilen aufs nächste undfeinste an die griechische Kunst grenzet. Um zwei)Personen, Sakontala und Duschmanta, windet undschlinget sich alles; die höchste Mannigfaltigkeit ruhetauf der simpelsten Einheit.

Noch hatte ich von den Charakteren undFarben des Stücks Einiges zu sagen. Jene sind,nach indischer Art, nicht scharf, abcrHruch nicht un-bedeutend, und jeder in seinem Grade idealischgezeichnet. Sakontala ist alles, was eine indischeBlume des Reizes, der Zucht und Tugend scyn kann;sie verdient ihren hohen Rang durch ihre lange Prü-fung , ihr spates Glück durch ein lange ertragenesUnglück. Duschmanta ist die Summe aller indischenWeltbeherrschcr in gepriesenen Tugenden und den vonihrer Würde unablrmnlichen Fehlern. Kanna ist dasIdeal eines Heiligen und Weisen, in unmittelbaremZusammenhänge mit der Gottheit. Die Göttin Aditiwill ihm von den letzten glücklichen Ereignissen Nach-richt senden; aber ihr Gemahl spricht:durch dieKraft der wahren Gottesfurcht wird der ganze Auf-tritt dem Gemüthe Kanna's gegenwärtig seyn?"Er sinnet nach, und sendet ihm mit seinen Gottes-Gedanken unmittelbare Botschaft; kann etwas Er-habneres gedacht werden? Der Sohn der Sakontalaund des Duschmanta ist wunderschön, kindisch undprinzlich geschildert; 605 juvsntutis in principe,xrincsps juventutis. Die Anerkennung des Va?