20L VI. Ueber cm morgenlandisches Drama.
Komisches und. Tragisches ist in ihm; es erstrecktsich über Himmel und Erde.
Unvermerkt sind wir also zur Hauptfrage gelan-get: „wie sich Sakontala überhaupt als Dramazu Aristoteles Begriffen von der theatralischen Poesieverhalte, und zu welcher Gattung derselben es gehöre?Ist es ein Trauer-, ein Lust-, oder ein sogenann-tes Mischspiel?" Ich antworte kurz: ein epi-
sches Drama.
Alte sind wir darüber einig , m. Fr., daß daS«igentlicheLokal- und Zeit mäßige der grie-chischen Schaubühne kein Gesetz für alle Orte undZeiten der Welt seyn möge. Denn da wir wissen,daß das Theater der Griechen nur aus dem Eherentstanden sey, und sich daraus gleichsam zergliederthabe, daß eben dieses Ehors wegen die Einheit desOrts, die Kürze der Zeit, das Einfache der Hand-lung in ihm gegeben und vorausgesetzt war; (widri-genfalls sich bcyde auf ewig hätten scheiden müssen:)so darf niemand Zweifel erregen, ob, wo kein grie-chischer Chor, kein griechischer Markt oder Pallaststatt findet, irgend Eine der Beschränkungen stattfinden müsse, an welche unter andern Umstandenauch Key den Griechen gar nicht gedacht wäre. Zu-sammenhang der Theile also, Einheit, Fortgang undInteresse der Handlung ist die Seele des Drama;keine kleinliche Rücksicht auf Ort und Zeit, von dersuch Aristoteles sehr entfernt war. Selbst der ein-fachen Fabel redet dieser nichts weniger, als das Wort;die zusammengesetzte oder verwickelte Handlung nennter die vorzüglichere, wie sie es ihm denn auch ihremWesen und ihrer Wirkung nach scpn mußte.