VI. Uebcr ein morgenlandischcs Drama. 255 -
derrufliche Aussprüche des Schicksals *). Ja findet ^
sich nicht bey allen Nationen ein früheres Zeitalter !
der Unschuld, wo Götter mit Menschen lebten, En-gel Patriarchen besuchten? Da ist der Begriff derUcberirdischen noch nicht so hoch erhöhet, daß nichteine Nymphe sich zur Umarmung eines Helden hcr-ablassen, daß nicht ein Held dem .Könige der Geister H
zu Hülfe kommen, ein Sterblicher auf Jndra's Thron .s '
sitzen, auf seinem Wagen fahren, die höchsten Göt-ter des SterncnraumS sehen und von ihnen den Se- H
gen empfangen könnte. Da mischen sich Geister insGlück und Unglück der Menschen, und Menschen vonder erhabensten Andacht und Betrachtung wohnenzunächst am Fuße des höchsten irdischen Paradieses. s
Schöner, weiter Raum der Phantasie! Außer ihmwürden wir in der Sakonrala jene Ehöre der Wald-nymphen nicht gehört, den Wagen des Lichtkreisesnicht bestiegen, und das vertrauliche Gespräch deSältesten Ehepaares der Welt im Paradiese der seligenGeister nicht belauscht haben. Der Jdyllcngeist der s
ersten, der höchste epische Geist der letzten Scenendieses Drama wäre von der Erde verbannt gewesen,und sie gehören gewiß zum Ersten ihrer Art, wasje der menschliche Geist hervorbrachte.
Glauben Sie auch nicht, m. Fr., daß das Wun-derbare schlechthin die Belehrung ausbebe; es macht ^
*) Die Geschichte des Königs Parikschitu, die einengroßen Lheil des Bagavadam ausmacht, ist, wieSakontala, ganz darauf gebaut. S. Samm-lung Asiatischer O ri g i n a l sc straft en,Th. I. Zürich 1790.
- 1kl .