VI. Ueber cm morgenländisches Drama. 3Z9
fers die heilige Sicherheit vorbereitet, die zu allem,was folgt, ihr Schirm seyn muß: denn wenn indiesem Haine das gejagte Reh seine Freystätte fin-det, wie sollte die. eines solchen Schutzes nicht gemes-sen, die als ein Kind des Himmels in diesem Haineerzogen, in ihm als eine unerkannte, vom Hofeweit entfernte Blume blühet?
Sakontala mit ihren zwo Gespielinnen erscheint,und entzückt des Königs Auge. Die Zarte pflegt derBlumen, nicht nur auf ihres Vaters Geheiß, son-dern aus schwesterlicher Neigung. Tief ist das Ge-fühl, das, dies ganze Stück hindurch, insonderheitin weiblichen Seelen sich gegen die blühende Schö-pfung äußert, und Sakontala ist gleichsam die Kö-nigin dieses Mitgefühles. Liebliche Reden sinds,die ihre Freundinnen ihr über ihr Geschäft und übersie selbst sagen. Eben finden sie in ihrer geliebtestenBlume eine Vorbedeutung ihres nahen Glücks, ei-ner frohen Vermählung , und liebkosen ihr auf dieunschuldigste Weise. Aber eine summende Bienefahrt aus der Mallikablume, und will nicht von ihrlassen. SS wird auch im Kleinsten die zukünftigeHandlung nicht vorbedeutet, sondern wirksam cingc-leitet. Denn eben diese ganze Scene, in welcher Sa-kontala sich unschuldig und liebenswürdig zeigt, wirdvon Duschmanta behorcht. Liebetcunken hangt seinAuge an ihr, und sein Gemüth quälet sich mit demeinzigen Zweifel, ob dies süße Geschöpf als eineBramancntochtec ihm auch versagt seyn möchte. End-lich tritl er hervor, und es beginnt eine Scene derGastfreundschaft, der bescheidensten Wohlanständig»keit und einer paradiesischen Unschuld. Immer mehrwird Duschmanta von Liebe durchdrungen, und h.a