VI. Ueber ein morgenländisches Drama. 2Zl
Denn sie Verdieners. Das einfache Mährchendes entscheidendenRinges beut in der größtenMannigfaltigkeit eine Reihe Scenen dar, die von dersanftesten Idyllen - Anmuth im Hain der Einsiedler,zum höchsten Epos eines Paradieses über den Wol-ken reichen. Mit Blumenketten sind alle Scenengebunden, jede entspringt aus der Sache selbst, wieein schönes Gewächs, natürlich. Eine Menge erha-bener sowohl als zarter Vorstellungen finden sich hier,die man Key einem Griechen vergebens suchen würde:denn der indische Welt - und Menschengeist selbst hatsie der Gegend, der Nation, dem Dichter eingehauchct.
Im indischen, nicht europäischen, Geist mußman also auch die Sakonrala lesen. Die Jdyllcn-scencn z. B. mit der Sanftmuth und Naturlicbedieses Volks, das in einer vom Himmel mit Natur-geschenken so reich ausgcstatteten Gegend lebt undsich derselben erfreuet. Ihm werden Scenen derNatur, der Vertraulichkeit mit Pflanzen und Thie-ren, endlich der sinnlichen Liebe selbst nicht langwei-lig. Ihr Blut sprudelt nicht wie das Blut der vonGährung erhitzten Völker. Die Götterverehrung, dieman dem Könige erweiset, so ganz in indischen Sit-ten und indischer Denkweise, wird man sich gefallenlassen; nicht nur, weil, wie der Theatcrdircktor beymEingänge zu vernehmen gibt, das Drama ein Hof-Divertissement seyn soll, sondern auch, weileben hieraus, aus dem Vornehmen und Göttlichendcr Königswürde, die höchsten Schönheiten des Drama