insonderheit bey den Morgenländern. 175
und lieben, den Ton an, und bringet dadurch, statteines scythischen Geschreyes, bey dem jeder Vogelnach seiner Weise singet, melodische Harmonie indie Grundsätze und Gedanken der Menschen. Denn,wie man sich auch geberdcn möge, Unbilligkeit undUnvernunft, die Kindcy des Eigennutzes und der Lei-denschaft, die barbarischen Feinde unsres Geschlechtesund Wohlseyns, sie bestehen am Ende doch nichtgegen allgemein anerkannte Grundsätze, den Kanonachter Menschlichkeit und Wahrheit.
Doch wohin verschlägt mein Nachen? Er fin-det sich auf der Höhe des Meers, da er doch nurein niedriges mit einigen kleinen Blumen besäeteSUfer halten sollte. Da will ich denn nur, was dasVermögen unsrer Nation in diesem Felde betrifft,noch dieses hinzufügen.
Von jeher hat sich die Denkart der Deutschendurch moralische Sprüche und biedere Grundsätze der-gestalt ausgezeichnet, daß wir ihnen sogar manchesandre dagegen aufgeopfert haben, und nur neulichvon diesem Wege abgekommen zu seyn scheinen. Anunsere alten Nenner, Freidank, Waldis,Reineke u. a., deren Sprache leider veraltet ist,nicht zu gedenken, schlugen Opitz, Logau, Ha-gedorn, Haller, Geliert, Uz, Lessing,Gleim, Cronegk und andre noch lebende Dichter,die ich nicht zu nennen brauche, dieselbe philosophisch-moralische Bahn ein, so daß wir gewiß an schönge-sagten Lehren keinen Mangel haben; um so mehraber fehlet es uns vielleicht daran, daß die Gesin-nungen und Sprüche dieser Dichter auch in die Er-ziehung und Denkart, wenigstens in das Gedächtniß