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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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145
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Das Roscnthal.

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Das Leven der Menschen.

Süß ist das Leben, doch ach, das Leben wahret nicht

ewig;

Wenige Tage, so ists wie ein Gedanke dahin.

Immer wanket die bittere Fichte des menschlichen

Hieseyns;

Glaub' cs, und immer tragt Blüche der Jugend

sie nicht.

Schön ist die Rose, sie duftet mit zarc-entknospetem

Kelche

Lieblich: jedoch du weißt, daß sie in kurzem ver-blüht.

Also auch du, im zärtlichen Schooße der Mutter Er-

zogner,

Traue der Mutter Natur sanften Verzärtelung

nicht.

Geh nicht sicher dahin, wie das Lamm mit Hangen-dem Haupte

Sorglos weidet; es sind Heere der Wölfe dir nah.

Braucht es, des Weisen Ohr zu betäuben mit lan-ger Erinnrung?

Wer dann kennet sie nicht, Wechsel und Fluchen

der Welt?

Athme der Frühlingswind; wo irgend auf Erden er

wehe,

Treibet der Herbstwind ihn stürmend und schleunig

hinweg.

Hättest du alle Reiche der Welt, mit alle den Reichen

Kauftest nimmer du dir Einen zu lebenden Tag.

Also hefte das Herz, Freund Pilger, nicht an die

Herberg';

Bauet der Reisende sich mitten im Reisen ein Haus?

-Herders W. z. sch. Lit. u. Kunst. IX. K