II. Das Rosenthal. 187
Denke der traurigen Zeit, da alle Blumen erkrank-ten ,
Da der Rose das welkende Haupt zum Busen hinab-sank ;
Jetzo beblümt sich der Fels; cs grünen Hügel und
Berge.
Jetzt sey fröhlich und froh; er entflicht, der blühende
Frühling.
Nieder vom Himmel thauen am Morgen glänzende
Perlen;
Balsam athmet die Luft; der niedersinkcnde Thau
wird,
Eh er die Rose berührt, zum duftigen Wasser der
Rose.
Jetzt sey fröhlich und froh; er entflieht, derblühende
Frühling.
Herbstwind war, ein Tyrann, in den Garten der
Freude gekommen;
Aber der König der Welt ist wieder erschienen, und
herrschet,
Und sein Mundschenk beut den erquickenden Becher
der Lust uns.
Jetzt sey fröhlich und froh; er entflieht, der blühende
Frühling.
Hier im reizenden Thal, hier unter blühenden Schonen
Sang, eine Nachtigall, ich der Rose. Rose der
Freude,
Bist du verblühet einst, so verstummt die Stimme
des Dichters.
Drum sey fröhlich und froh; er entflieht, der blü-hende Frühling.