Dichtungen aus der morgcnländ. Sage. LS
Die Rose unter Dornen.
Ein frommer Mann, der tief gekrankt und ver-wundet mitten unter seinen Verfolgern lebte, gingtraurig einmal auf und ab in feinem Garten, anden Wegen der Vorsehung fast verzweifelnd. Wiefestgehaltcn, blieb er vor einem Nosenbusch stehen,und der Geist der Rose sprach zu ihm also: „Be-lebe ich nicht ein schönes Gewächs? einen Kelch derDanksagung voll süßer Gerüche dem Herrn im Na-men aller Blumen, sein Weihrauchopfer. Und woerblickest du mich? Unter Dornen. Aber sie stechenmich nicht; sie beschützen mich und geben mir Safte.Eben dies thun dir deine Feinde, und sollte deinGeist nicht mehr seyn und fester als eine hinfälligeBlume?" Gestärkt ging der Mann von dannen;seine Seele ward ein Kelch der Danksagung für —seine Feinde.
Der Engel des Todes.
Furchtbar erscheint dem Scheidenden der Engeldes Todes. Von seinem flammenden Schwert triefenbittre Tropfen; sein Anblick ist schrecklich.