78 I. Blatter der Vorzeit.
Drey Greise feyerten zusammen ihr Jubelfestund erzählten ihren Kindern, woher sie so alt ge-worden ?
Der Eine, ein Lehrer und Priester sprach: „niekümmerte mich, wenn ich zu lehren ansging, dieLange des Weges: nie schritt ich anmaßend über dieHäupter der Jugend binweg, und hob die Hände nie, auf zum Segnen, ohne daß ich wirklich segnete undGott lobte; darum bin ich so alt worden."
Der Andre, ein Kaufmann, sagte: „nie habeich mich mit meines Nächsten Schaden bereichert:nie ist sein Fluch mit mir zu Bette gegangen undvon meinem Vermögen gab ich gern den Armen;darum hat mir Gott die Jahre geschcnket."
Der Dritte, ein Richter des Volks, sagte: „nienahm ich Geschenke: nie bestand ich starr auf mei-nem Sinn: im Schwersten suchte ich mich jederzeit
zuerst zu überwinden; darum hat mich Gott mitmeinem Alter gesegnet."
Da traten ibre Sohne und Enkel zu ihnenheran, küsscten ihre Hände, und kränzten sie mitBlumen. Und die Väter segneten sie und sprachen:„wie eure Jugend sey auch euer Alter! Eure Kinderseyen Euch, was Ihr uns seyd, auf unserm greisenHaar eine blühende Rosenkrone."
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Das Alter ist eine schöne Krone; man findetsie nur auf dem Wege der Mäßigkeit, der Gerechtig-keit und Weisheit.