Dichtungen aus der morgenland. Sage. 77
Der erste seiner Freunde entschuldigte sich so-gleich, daß er nicht mit ihm gehen könne, wegenandrer Geschäfte. Der zweyte begleitete ihn bis zurThür des Richthauses; da wandte er sich und gingzurück, aus Furcht vor dem zornigen Richter. Derdritte, auf den er am wenigsten gebauct hatte, ginghinein, redete für ihn und zeugte von seiner Unschuldso freudig, daß der Richter ihn losließ und beschenkte.
Drey Freunde hat der Mensch in dieser Welk;wie betragen sie sich in der Stunde des Todes, wennihn Gott vor Gericht fodcrt? Das Geld, sein besterFreund, verlasset ihn zuerst und gehet nicht mit ihm.Seine Verwandten und Freunde begleiten ihnbis zur Thür des Grabes und kehren wieder in ihreHauser. Der dritte, den er im Leben oft am mei-sten vergaß, sind seine wohlthätiqen Werke.Sie allein begleiten ihn bis zum Throne des Rich-ters; sie gehen voran, sprechen für ihn und findenBarmherzigkeit und Gnade.
Die Krone des Alters.
Wen der Schöpfer ehret, warum sollten dennicht auch Menschen ehren? Auf des Verständigenund Tugendhaften Haupt ist graues Haar eine schöneKrone.