Dichtungen aus der morgenländ. Sage. 79
Der Ueverwinder der Welt.
Im fernsten Indien kam Alexander der Großean einen Strom des Paradieses. Er trank von sei-nem erquickenden Wasser und labete sich sehr: erwusch darin sein Antlitz und schien verjüngt: er ver-folge» den Strom durch ferne Wüsten und kam andie Pforte des Paradieses. „Thut mir auf, spracher, denn ach bin der Ueberwinder der Welk, der Kö-nig der Erde." Aber ihm ward zur Antwort: „dubist mit Blut befleckt, weiche! Dies ist die heiligePforte, wo nur die Gerechten hineingehn."
„So gebt mir, rief der König, wenigstens einAndenken, daß ich hier gewesen;" und man reichteihm einen Lodtenschadel.
Unwillig nahm er denselben; der Schädel inseinen Händen ward immer schwerer, daß er ihnnicht mehr tragen konnte, ja daß ihn zuletzt allesGold feiner Eroberungen, die Schatze Persiens unddes Indus nicht aufzuwicgen vermochten. Beküm-mert rief er einen Weisen und fragte ihn: was d»Sbedeute ? „Das Menschenhaupt bist du, antworteteder Weise. So lange deine Augen offen stehen,kannst du nicht gesattiget werden mit Gold und Sil-ber ; aber flehe! hier streue ich Staub auf den Schä-del und bedecke ihn mit einer Handvoll Erde: derTodtenfchadel wird leicht werden, wie jeder andereSchädel/' Er thats und es geschah.