Dichtungen aus der morgenland. Sage. 55
Die Morgenröthe.
Hast du die schöne Morgenröthe gesehn? Sieleuchtet hervor aus Gottes Gemach: ein Strahl desunvergänglichen Lichts, die Trösterin der Menschen.
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Als David einst, verfolgt von seinen Feinden,in einer schauerlichen Nacht auf dem Hermons Bergesaß, den Trauervollstcn seiner Psalmen spielend:„Löwen und Tiger brüllen um mein Ohr, der BösenNotte hat mich rings umgeben und ich seh keinenHelfer!"
Siehe da ging die Morgenröthe auf. Mit glän-zenden Augen sprang sie hervor, die frühgejagte Hin-din, und hüpfte auf den Bergen und sprach zu ihmwie ein Engel auf den Hügeln: „Was gramst du'dich, daß du verlassen seyst? Ich riß hervor ausdunkler Nacht; aus grauenvoller' Finsterniß wirdMorgen."
Getröstet hing an ihrem Blick sein Auge, bissie zur Sonne ward, und Heil der Welt aufgingmit ihren mächtigen Flügeln. Frohlockend wandtensich die Töne seines Gesangs, den er das Lied derMorgenröthe nannte, der frühe gejaqtcnHindin.
Auch späterhin sang er oft diesen Psalm unddankte Gott für die Bedrängnisse, die er in früherJugend überstand; und jedesmal kam mit demPsalm ihm Morgenroth in seine düstres Seele.