Dichtungen auS der morgenland. Sage. 27
Das Traumgesicht verschwand; gestärkt standEva vom blaffen Leichnam ihres Sohnes auf. Undda sie Morgens ihn mit ihrer Thräne bcthaut undmit den Rosen seines Altars bekränzet hatte, begru-ben Vater und Mutter ihn an Gottes Altar, vormAngesicht einer schöneren Morgenrökhe. Oft aber fas-sen sie an seinem Grabe zu Mitternacht, und sahengen Himmel hinauf zum hohen Sternen-WagenMd suchten ihren Schäfer dort.
Adams Tod.
Neunhundert dreyßig Jahr war Adam alt, alser das Wort des Richters in sich fühlte: Du solltdes Todes sterben.
„Laß alle meine Söhne vor mich kommen,sprach er zur weinenden Eva, daß ich sie noch seheund segne." Sie kamen alle aus des Vaters Wortund stunden vor ihm da, viel hundert an der Zahl,und flehten um sein Leben.
„Wer unter euch, sprach Adam, will zum heil-gcn Berge gehn? Vielleicht daß er für mich Erbar-mung finde und bringe mir die Frucht vom Lebens-Baum. " — Alsbald erboten sich alle seine Söhne,und Seth, der frömmste, ward vom Vater selbstzur Botschaft, auserwahlct.
Sein Haupt mit Asche bestreuet, eilte er undsäumte nicht, bis er vor der Pforte des Paradieses